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Sinnkopplung

Grundlagen Sinnvoll Wirtschaften: Konzepte
für Lebens- & Arbeitswelten mit Zukunft

31.07.2018 · Franziska Köppe | madiko

Wann sprechen wir von Überzeugung, Begeisterung und Freude am eigenen Werk? Wenn wir einen Sinn darin sehen.

Sinn ist Katalysator für Motivation, Leistungsbereitschaft und Umsetzungsstärke. Sinn ist verbindende Brücke zwischen Menschen, um gemeinsam die Dinge anzupacken und umzusetzen. Sinn lässt uns Krisen überstehen.

Sinn ist sehr individuell. Wir nehmen ihn bewusst und unbewusst wahr. Sinn lässt sich nicht steuern. Sinn ist dynamisch und langanhaltend, anpassungsfähig und resilient zugleich.

Wie kann ich diese natürliche Kraft in kleinen und mittelständischen Firmen nutzen? Sinnkopplung ist unsere Antwort auf die gestiegenen Anforderungen an Führung mit Sinn.

Was also genau ist Sinnkopplung?
Und wie wenden wir sie in der Praxis an?

Foto: Gebhard Borck beim Gehspräch mit einem Unternehmer
madiko

Gebhard Borck: Sinnkopplung (Definition)

Sinnkopplung ist der Moment, in dem ein Mensch emotional, unbewusst und bewusst an jemanden beziehungsweise etwas so anknüpft, dass sich von diesem Augenblick an sein Denken und Handeln ändert. Dieses “Etwas” kann ein anderer Mensch, eine Bewegung, Idee, Gemeinschaft, Marke, eine Firma, und so weiter sein.

Zufriedene Mitarbeiter gehen in eine freiwillige Sinnkopplung und erfüllen sich nach praktischen, kulturellen und philosophischen Maßstäben selbst.

Gebhard Borck

GB Kommunikation GmbH

Welche Zustände
von Sinnkopplung gibt es?

Zeitlebens prüfen wir Eindrücke, die wir aus unserer Umgebung wahrnehmen. Dies läuft teilweise bewusst, zumeist jedoch unbewusst ab. Im Rahmen der kontinuierlichen Sinn-Prüfung vernetzen wir individuelle Erfahrungen in Bezug auf Sinnhaftigkeit für uns und unser Leben.

Dieser Prüfablauf kennt weder Pausen noch Unterbrechungen. Selbst im Schlaf und einer tiefen Meditation ergeben sich für das Individuum sinnhafte Erkenntnisse. (Siehe auch Unser Nachtleben: Das machen wir im Schlaf).

Wir können diesen Prüfablauf daher auch kaum bewusst steuern. Er folgt der menschlichen Sehnsucht und Suche nach einer Bedeutung für die eigene Existenz. Das Ergebnis der fortwährenden Prüfung kann sich jederzeit ändern.

So kann die Beziehung zu einem Menschen von einem Moment auf den andern einen Wendepunkt in unserer Biografie markieren. Weltbilder und Grundsatzentscheidungen, die bisher bestimmend für unser Leben waren, können von einem Tag auf den nächsten an Wert für uns gewinnen — oder verlieren.

Aus diesen Überlegungen ergeben sich drei Urzustände von Sinn-Kopplung:

sinn-gekoppelt / Sinn-Kopplung

.. kann als der Zeitpunkt beschrieben werden, in dem die betreffende Person jemanden oder etwas wahrnimmt und plötzlich einen tiefen gemeinsamen Sinn in dem, was getan wird / wurde, findet.

Aufgrund der Kopplung des Sinns ändern sich ihre Gewohnheiten und Handlungsweisen. Es verändern sich die Gründe, warum und wozu die Person etwas tut (oder auch unterlässt). Diese Verhaltensänderung kann auf den konkreten Augenblick, den Moment der Sinnkopplung, zurückgeführt werden.

Sinnkopplung ist instabil. Niemand kann vorhersagen, wie lange ihr Effekt anhalten wird. Manchmal gibt ein einziger Moment der Sinnkopplung Energie für ein ganzes Leben. Ein anderes Mal hält die Kopplung nur für fünf Minuten. In beiden Fällen macht Sinnkopplung den Mensch mehr als nur euphorisch, mehr als nur kurzfristig motiviert.

Solange die Kopplung der immerwährenden Sinnprüfung standhält, kann er für diese Überzeugung ebenso leiden und gegen Widerstände angehen, wie Erfolge feiern.

Sinnkopplung macht sie*ihn resilient und robust. Sie bringt den Menschen, der sie erreicht, seiner persönlichen Sinnerfüllung und damit seiner Zufriedenheit näher.

nicht sinn-gekoppelt / Nicht-Kopplung

In Bezug auf Sinnkopplung ist die Nicht-Kopplung der häufigste, der normale Zustand.

Die Person hört etwas oder lernt jemanden kennen und bleibt neutral. Sie / er ist weder dafür noch dagegen. In diesem Stadium kann sich die Person mit Ideen und Menschen identifizieren oder sie ablehnen. Sie sieht jedoch keine Notwendigkeit, ihre Handlungen und Haltungen zu verändern.

Nicht-Kopplung macht tolerant und offen für die Umwelt. Innerhalb einer übergeordneten Sinnkopplung (“Es hat Sinn, regelmäßig Geld zu verdienen.”) können Frauen und Männer viel Nicht-Kopplung (“Das Wohl und Wehe der Firma, in der ich arbeite, ist mir egal.”) aushalten.

sinn-entkoppelt / Sinn-Entkopplung

Im Falle einer Sinn-*Ent*kopplung erlebt die Person jemanden beziehungsweise etwas und ist damit so uneinig, dass sie handeln muss. Sie beendet eine Beziehung. Sie verlässt eine Feier, einen Ort oder ein Kino. Sie gibt ihre Arbeitsstelle auf – weil es nicht mehr anders geht. Die / der Betreffende ist so dagegen, dass sie / er bereit ist, Energie in Gegenmaßnahmen zu stecken.

Sinn-Entkopplung kann zugleich Sinnkopplung mit etwas Neuem bedeuten. Und so steckt auch in ihr die Kraft für ein ganzes Leben oder auch nur für fünf Minuten. Sinn-Entkopplung bedeutet, dass man gezielt Energie aufwendet, um aktiv gegen etwas zu sein / zu handeln.

Wie lässt sich
Sinnkopplung abgrenzen?

Sinnkopplung versus Sinn / Sinnerfüllung

Sinn und Sinnerfüllung sind einzigartig. Sie sind im Individuum komplex vernetzt zwischen Unterbewusstem und Bewusstem, Emotionalität und Sachlichkeit, Naturgegebenem und Anerzogenem, Innerem und Äußerem etc. In dieser individuellen Vielschichtigkeit sind weder Sinn noch Sinnerfüllung für einen selbst oder gar für andere (ganzheitlich) erfassbar. Der Umgang mit Sinn ist deshalb ebenso unvorhersehbar wie unübersichtlich und überraschend.

Sinnkopplung will die Beweggründe, sprich die individuelle Sinnhaftigkeit, nicht verstehen. Sie bleibt wertfrei. Vielmehr ist Sinnkopplung Ausdruck der Wahrnehmung und des Umgangs mit dem Moment der Kopplung zwischen den betreffenden Personen. Sie macht die Konsequenzen aus dieser Wahrnehmung zum Gegenstand. Aus ihrem Zustandekommen/Nicht-Zustandekommen können vernünftige und wertvolle Schlüsse sowohl für die Gruppe als auch den Einzelnen abgeleitet werden.

Der Sinn bleibt beim Individuum. Der Moment und die Art der Kopplung werden in den Mittelpunkt der Wahrnehmung und der Handlungskonsequenz gestellt.

Sinnkopplung versus Identifikation

Identifikation beschreibt einen Zustand der Übereinstimmung in Werten und Philosophie von Menschen mit Gruppen, Zielen, Ideen etc. Sich zu identifizieren hat allerdings keine zwingende Entscheidung und Handlung beim Individuum zur Folge.

Eine Person kann sich beispielsweise mit den Grundsätzen und Überzeugungen einer ökologisch-sozialen Lebensführung (z. B. den LOHAS) identifizieren und dennoch in ihrem Alltag verschiedene „Umweltsünden“ begehen und bei sich tolerieren.

In der Sinnkopplung wird sie gewissermaßen zur Extremistin / zum Extremisten. Die Person richtet alle Belange ihres / seines Lebens (Konsumverhalten, Beziehungen etc.) nach den Werten und der Haltung der Gruppe bzw. der Philosophie aus, an die sie angekoppelt hat.

Sinnkopplung versus
affekt-motivationale Zustände

Ein gesteigertes (Arbeits)Engagement von Mitarbeitern im Zusammenhang mit aufgabenbezogenen Ressourcen ist bereits gut belegt. So gilt als sicher, dass beispielsweise Folgende affektiv-motivierend auf das Arbeitsengagement wirken: Handlungsspielräume in der Arbeitstätigkeit (job control), Aufgabenvielfalt, soziale Unterstützung am Arbeitsplatz, Feedback und ein allgemein optimistisch positives Organisationsklima. Affektiv motivierend heißt dabei, dass Menschen das Vorhandensein / die Bereitstellung dieser Ressourcen in einen motivierten (Grund)Zustand versetzt.

Im Unterschied dazu ist Sinnkopplung eine emotional-kognitiv basierte Reaktion. In ihr bewertet ein Mitarbeiter die gesamte (Arbeits-)Situation (Anforderungen, Belastungen, Ressourcen, Handlungen und Handlungsergebnisse, Erfahrungen, sozialer Kontext usw.) hinsichtlich ihrer Harmonisierbarkeit mit der eigenen Persönlichkeit, individuellen Lebensbedeutungen, Werten und Zielen. So verstanden sind affektiv-motivierende Ressourcen Bestandteil dieser Bewertung, jedoch nicht alleinig und auch nicht maßgebend.

Sprich: Wenn jemand sinnkoppelt, können Ressourcen wie Handlungsspielräume und Feedback das Wohlbefinden mit der Arbeit positiv beeinflussen. Nur sind sie keine Voraussetzung für eine leistungsfreudige Beteiligung an der Erwerbstätigkeit. Die Grundmotivation kommt von der Sinnkopplung – einer teils emotionalen, teils kognitiven Bewertung und Entscheidung.


Ich danke Gebhard Borck von Herzen für die fundierte fachliche Basis, die diesem Kapitel zugrunde liegt und von uns in zahlreichen persönlichen Gesprächen erarbeitet wurde.

Weiterführende Literatur und Linktipps
zum Thema Sinnkopplung

  • “Affenmärchen – Arbeit frei von Lack und Leder”
    Gebhard Borck, 2011. edition sinnvoll wirtschaften
  • “Feel it! So viel Intuition verträgt ihr Unternehmen”
    Dr. Andreas Zeuch, 2011. Wiley
  • “Ist die Katze aus dem Haus … so arbeiten Ihre Mitarbeiter eigenverantwortlich und selbständig”
    Bernd Geropp, 2013. redline Verlag
  • “Kein Arbeitsengagement ohne Sinnerfüllung”
    Thomas Höge, Tatjana Schnell, Wirtschaftspsychologie 14. Jahrgang 2012 Heft 1 91 – 99
  • “Die 12 neuen Gesetze der Führung. Der Kodex: Warum Management verzichtbar ist”
    Niels Pfläging, 2009. Campus Verlag
  • “The measurment of engagement and burnout: A two sample confirmatory factor Analytik apporach.”
    Schaufeil, W. B. Saalnova, M., González-Romá V. & Bakker, A. B., 2002. Journal of Happiges Studies, 3, 71-92

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Sinnvoll Wirtschaften

Grundlagen für Lebens- & Arbeitswelten mit Zukunft

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veröffentlicht: 2018-07-30
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