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Die Zeit der Egoisten ist definitiv vorbei

Statement Petra-Alexandra Buhl

Erstveröffentlichung 14.09.2015

Unsere Welt verändert sich rasant. In ihr zu leben und zu arbeiten heißt, Unsicherheit aushalten zu können. Und dabei handlungsfähig und kreativ zu bleiben.

Unsere Neugier ist dabei eine wertvolle Kraft. In den Firmen brauchen wir Menschen, die Führung im Sinne von Moderation, Resilienz-Förderung und Prozessbegleitung übernehmen. Sie nutzen Wissen über Verhalten, Gruppendynamik, Umgang mit Emotionen in Veränderungsprozessen. Sie wissen, was Menschen und Organisationen widerstandsfähig, belastbar und flexibel macht. Und sie sind in der Lage, Kooperation und Kollaboration zu organisieren.

Foto: Petra-Alexandra Buhl
Petra-Alexandra Buhl / Foto: OliverKillig

Leben und arbeiten gehören zusammen, weil ich mich als Mensch nicht in einen privaten und beruflichen Teil spalten will und kann. Themen, die mich privat interessieren, beeinflussen meine Arbeit und umgekehrt.

Vor ein paar Jahren habe ich das Buch „Tribes“ von Seth Godin gelesen. Es hat mich sehr bereichert, meinen eigenen „Stamm“ aufzubauen und diesen zu pflegen. Dabei geht es nicht darum, sich nur mit Gleichgesinnten zu umgeben und in einer Blase zu leben. Vielmehr bedeutet es, ein gutes Netzwerk unterschiedlichster Charaktere zu pflegen, das diesen Namen verdient und nicht aus oberflächlichem Kontakte-Sammeln besteht.

Die Kraft von diesem „Stamm“ kann ich auf vielfältige Weise erleben: Er besteht aus Künstlern, Wissenschaftlern, Beratern, Unternehmern, Journalisten, vielen Menschen aus der so genannten Netzgemeinde. Es sind Menschen, die konstruktiv sind, gestalten wollen, sich einbringen und andere unterstützen. Diese besondere Kontakt- und Beziehungsqualität beruht auf gemeinsamen Interessen, ähnlichen Herangehensweisen und Haltungen.

Dieser „Stamm“ berührt sich mit anderen, ähnlichen „Stämmen“ und manchmal verbindet er sich damit. Das lässt mich mit großer Zuversicht an eine fundamentale gesellschaftliche Veränderung glauben. Sie wird kommen – und sie wird zu mehr Gemeinschaft und gegenseitiger Unterstützung führen.

Der „Stamm“ erneuert sich immer wieder, er ist ein offenes, lebendiges System. Ich mag Menschen, die Verantwortung übernehmen – für sich selbst, ihr Verhalten und für andere. Die Zeit der Egoisten ist definitiv vorbei.

Mein Ideal von
Lebens- & Arbeitswelten mit Zukunft

entspricht dem Bild des Renaissance-Menschen in der Variante Leonardo da Vinci.

Leonardo da Vinci war im besten Sinne selbstbewusst, aber nicht überheblich. Er begriff sich als Künstler und Schöpfer, der an allem Neuen interessiert ist und gestalten möchte. Ästhetik, Analyse und eine lebensbejahende Haltung kennzeichneten ihn ebenso aus wie ein offener Geist. Zeitlebens hat er sein Wissen und seine Fähigkeiten erweitert. Er ist neugierig auf die Menschen und auf die Welt geblieben.

Mir gefällt, dass die Renaissance den Menschen in den Mittelpunkt von Kunst, Kultur und Wissenschaft gerückt hat. Werteorientierung und Humanismus waren in dieser Epoche zentrale Werte. Ich glaube, es ist an der Zeit, dass der Mensch auch endlich in den Mittelpunkt der Wirtschaft rückt. „Das Ziel der Wirtschaft ist der Mensch“, das ist ein Zitat aus den Plänen der Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis, die an einer Neuordnung Deutschlands nach dem Zusammenbruch der Nazi-Diktatur gearbeitet hat. Diese revolutionäre Idee ist noch nicht verwirklicht.

Natürlich ist das Leben des Renaissance-Menschen ein Ideal, aber ich finde, ein sehr erstrebenswertes. In den letzten Jahren treffe ich immer mehr Menschen, die ungeheuer vielseitig sind und sich in genau diese Richtung entwickeln. Ich nehme einen großen Unterschied zu den 90er und nuller Jahren wahr, die ich als sehr egoistische Zeiten erlebt habe. Mir gefällt diese Veränderung hin zu mehr Öko-Systemen, hin zu mehr Gemeinschaft.

Ich habe nur ein Leben

Ich unterscheide nicht zwischen Lebens- und Arbeitswelt. Die Fragen und Themen, die mich beschäftigen, und meine Art zu leben und zu arbeiten, sind voneinander nicht zu trennen. Deshalb suche ich mir gezielt aus, mit wem ich zusammenarbeite: Haltung, Werte und Vorstellungen von Zusammenarbeit und Wirtschaften müssen stimmen. Man muss sich schätzen, um gut miteinander arbeiten zu können.

Mich beschäftigen vor allem die Zukunft von Kooperation und Arbeit, Resilienz, Führung und Organisationsentwicklung – sowohl im privaten und beruflichen Leben, als auch im Ehrenamt. Führung war noch nie so spannend und zugleich so anspruchsvoll wie heute: Es ist eine zentrale Führungsaufgabe, den Sinn einer Arbeit herauszustellen, Werte und Normen zu vermitteln. Alle Führungskräfte müssen lernen, mit hoher Komplexität umzugehen, Unsicherheit und Ambiguität auszuhalten.

Petra-Alexandra Buhl / Leitbild. Bild: copy Petra-Alexandra Buhl / Foto: OliverKillig

Petra-Alexandra Buhl / Leitbild
[ 2015-09 Petra-Alexandra Buhl / Foto: OliverKillig ]

Die Welt, in der wir leben, verändert sich rasant.

Technologischer Fortschritt, demographischer Wandel, schwindende Märkte und Ressourcen, Klimawandel und Globalisierung fordern uns heraus. Die Welt ist mehrdeutig, komplex und unsicher. Das schafft Raum für mehr Kreativität und Innovation in Organisationen. Beides braucht ein stabiles Fundament. Führungskräfte steuern permanent Veränderungen und geben zugleich Lernprozessen Raum. So kommen Mitarbeiter mit dem Wandel mental hinterher. Das ist nicht leicht. Menschen haben vor Veränderungen Angst, wenn sie fürchten, dass sie davon überwältigt werden, weil ihre Kompetenzen und Kräfte nicht ausreichen oder dass sie es nicht schaffen.

Wir brauchen deshalb Menschen, die Führung im Sinne von Moderation, Resilienz-Förderung und Prozessbegleitung übernehmen. Sie brauchen Wissen über Verhalten, Gruppendynamik, Umgang mit Emotionen in Veränderungsprozessen. Diese wissen, was Menschen und Organisationen widerstandsfähig, belastbar und flexibel macht. Und sie sind in der Lage, Kooperation zu organisieren.

Das kann man lernen. An einem Punkt trennt sich aber die Spreu vom Weizen: Wichtig ist, „altes Verhalten zu verlernen“ und regelmäßig Selbstreflexion zu betreiben. Wenn nichts mehr sicher ist, brauche ich einen inneren Kompass, der mir in komplexen Situationen den Weg weist. Wer andere führen will, arbeit deshalb zuerst an sich selbst. Führung ist Beispiel, Beispiel, Beispiel – deshalb schrecken jetzt so viele davor zurück, Verantwortung zu übernehmen.

Führen heißt, Unsicherheit aushalten zu können, dabei handlungsfähig und kreativ zu bleiben.

Für jeden von uns ist das eine große Herausforderung. Unsere Gehirne stammen aus der Steinzeit. Sie sind diesem rasanten Wandel noch nicht gewachsen. Während wir noch lernen, müssen wir neues Verhalten schon anwenden.

Im Moment mache ich einige Projekte in kleineren und mittleren Unternehmen, die mich nach mehr als sieben Jahren reiner Beratung wieder stärker in operative Veränderungen einbinden. Ich schätze es sehr, dass ich dabei mein Wissen und meine Methoden-Kenntnisse direkt anwenden und schauen kann, was in der Praxis gut funktioniert. Alle Konzepte, die mich faszinieren, stelle ich so noch einmal auf den Prüfstand und sehe, was wirklich taugt.

Mit Idealismus
die Welt verbessern?

Ein großer Teil von mir ist immer noch idealistisch und möchte unbedingt die Welt verbessern. Der Antrieb, etwas zu verändern, ist bei mir sehr groß. Neugier ist vermutlich meine größte Kraft. Ich möchte unbedingt wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält und was Menschen beschäftigt. Deshalb muss ich mich auch nicht extra motivieren, ich langweile mich nie ;-)

Petra-Alexandra Buhl

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